Schanzenpolitik

Schanzenfest mit polizeilicher Sperrstunde? Nein, danke!

Posted in Lokales by Schanzenpolitik on 5. Mai 2010

Die Unzufriedeheit über die Randale zeigt sich immer deutlicher: Lars Brücher schreibt eine offene Mail an die GAL. Der Anwohnerbrief von A. (Die MOPO nennt ihn Andreas H.) erntet breite Zustimmung. Und ich frage mich, warum das erst in diesem Jahr so ist.

Liegt es daran, dass die Vandalen am Freitag mehrere Stunden lang wüteten, obwohl kein einziger Polizist in der Nähe war? So konnten immerhin auch die von Innensenator Ahlhaus ins Feld geführten „klammheimlichen Sympathisanten“ beobachten, dass die Gewalt keine Reaktion auf eine „Provokation durch die Staatsmacht“ war.

Aber wenn das tatsächlich der Grund ist, dann stehen wir in der Schanze jetzt vor einer absurden Situation. Denn wenn die Abwesenheit von Polizei den Widerstand gegen linksextreme Gewalt zur Folge hat, dann ist „Bullen raus!“ plötzlich auch im Sinne des Innensenators.

Spaß beiseite
Die offiziellen Äußerungen zeigen allerdings in die entgegengesetzte Richtung. Innensenator Ahlhaus fordert härtere Strafen bei Gewalt gegen Einsatzkräfte. Und auch der Altonaer Bezirksamtsleiter Jürgen Warmke-Rose erklärte der Welt Online sein Ziel:

„Das Schanzenfest soll nicht nur offiziell angemeldet stattfinden, es soll auch ein „zeitlicher Endpunkt“ vereinbart werden. Im Anschluss an das friedliche Fest könne die Polizei mit einem massiven Aufgebot wichtige Punkte im Viertel absichern. So könnten neue Gewalt nach dem Fest bekämpft und eine Krawallnacht verhindert werden.“

Moment mal, wer will denn sowas?
Wollen die Anwohner und Gäste eine Sperrstunde für ihre Feiern. Wollen wir Hundertschaften und Kampfhundstaffeln endgültig als Normalität bei unseren Stadtteilfesten akzeptieren? Und die Initiatoren des Schanzenfestes – das Floraplenum, soweit ich weiß: Sehen die etwa ein, dass ihr politisches Straßenfest wegen ein paar unreflektierten Vollkaspern künftig besonders restriktiv behandelt wird?

Mal was Konstruktives
Auch wenn ich keine Vergangenheit im Straßenkampf habe: Ich möchte das nicht hinnehmen. Denn man muss weiß Gott kein Autonomer sein, um Freiheiten und Bürgerrechte zu schätzen zu wissen. Deshalb wünsche ich mir in diesem Jahr ein besonders politisches Schanzenfest. Eines, in dem alle Anwohner, Vereine, Gewerbetreibende und Gäste gewaltfrei und einfallsreich zeigen, dass wir auf Ahlhaus‘ und Warmke-Roses Maßnahmen verzichten können. Ein Schanzenfest, bei dem schon im Vorfeld klar ist, dass pseudopolitische Zerstörungswut dort nichts verloren hat. Ein Schanzenfest, bei dem die Polizei höchstens aufkreuzt, um mitzufeiern.

Das Schanzenfest als Demonstration gegen Vandalismus und Fremdbestimmung – egal, ob angemeldet oder nicht. Man wird ja noch träumen dürfen.


Update vom 05.05.2010:
In der Welt Online präsentieren CDU und SPD jetzt ihre neueste Vision: Das Schanzenviertel als Gefahrengebiet! Mit „verdachtsunabhängigen Kontrollen“ sollen die Rechte der Anwohner und Gäste im Viertel ganz offiziell eingeschränkt werden. Was uns das bringt? Meine Thesen:

  1. Wir haben dann mehr Polizei im Viertel und weniger Freiheiten.
  2. Die Krawallos suchen sich einen anderen Spielplatz. Oder sie kommen erst recht – „provozierende Bullen“ sind dann ja genug da.
  3. Niemandem ist geholfen. Außer den Politikern, die „zeitnah“ und „entschieden“ reagiert haben.
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4 Antworten

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  1. […] This post was mentioned on Twitter by bularator and Schanzenpolitik-Blog, Schanzenpolitik-Blog. Schanzenpolitik-Blog said: Schanzenfest mit polizeilicher Sperrstunde? Nein, danke!http://wp.me/pFBjV-1D […]

  2. STP1910 said, on 5. Mai 2010 at 19:58

    Pro Kasperverbot!

  3. […] rechtsextremer referent bei der burschenschaft „germania königsberg“ eingeladen.°°°schanzenpolitik diskutiert den wirbel um den 1.mai, den wir für eine ziemliche […]

  4. […] Wenn hier schon einfach ungefragt in meinem Namen zum Schanzenfest aufgerufen wird, dann bringe ich mich jetzt mal in das Schanzenfest ein. Und formuliere einen eigenen Aufruf – so wie ich ihn mir schon lange wünsche: […]


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