Schanzenpolitik

Warum der Angriff auf die Lerchenwache uns alle schwächt

Posted in Grundsätzliches, Lokales by Schanzenpolitik on 4. Dezember 2009

Letzte Nacht wurde mal wieder die Lerchenwache angegriffen. Bei HH-heute heißt es:

Eine Gruppe von Vermummten hat die Polizeiwache angegriffen und erheblichen Sachschaden am Gebäude und geparkten Autos angerichtet.

Das schockierend. Und es ist verheerend dumm. Im Artikel wird der Zusammenhang zur Linken Szene hergestellt, aber eigentlich ist es auch nicht wichtig, wer die Polizei angreift. Denn wer als Minderheit die Polizei angreift, greift den Staat an – egal aus welchem Motiv. Und das ist ziemlich kurzsichtig.

„Aber man muss sich doch wehren…“

Natürlich kann man vom Prinzip Staat halten, was man will. Und man kann auch durchaus in Frage stellen, ob der Staat, in dem wir leben, die beste aller möglichen Gesellschaftsformen ist. Ich stelle mir die Frage selbst oft – ich hätte kurz gesagt gern weniger Staat und mehr Eigenverantwortung der Bürger und der Gesellschaft. Zum Glück kann man in Deutschland aber auch öffentlich seine Kritik am Staat äußern. Es gibt sogar Möglichkeiten, Missstände zu ändern – durch Wahlen, durch eigene Beteiligung und vor allem durch den Druck der Öffentlichkeit (das ist meine bevorzugte Methode, und mit dem Internet kann man da einiges bewegen).

Minderheit vs. gesellschaftlichen Konsens

In politisch radikalen Kreisen haben sich außerdem gewalttätige Angriffe als Mittel etabliert. Aber welche Logik steht dahinter? Die Aktivisten begründen das gern mit dem Kampf gegen „Gewalt und Unterdrückung“ und kämpfen selbst mit Gewalt.
Da liegt das Problem, denn in der breiten Öffentlichkeit herrscht keineswegs die Ansicht, unser Staat, die Polizei oder wer auch immer würden uns gewalttätig unterdrücken und unsere Freiheit einschränken. Über den Sinn und die Notwendigkeit von Gesetzen und gesellschaftlichen Schranken herrscht ein breiter Konsens. Wenn eine politisch radikale Minderheit dagegen kämpft, kämpft sie also gegen die gesellschaftliche Ordnung, deren Schutz die Aufgabe des Staates, besonders der Polizei ist. Damit beschwört sie geradezu herauf, dass der Ruf nach mehr Sicherheit vor „Chaoten“ laut wird. Sie liefert also das Argument für immer größere Polizeiaufgebote – zum Beispiel bei Fußballspielen oder Schanzenfesten.

Die verblendete Gewalt weniger wird zum Problem aller.

In Hamburg, gerade in der Schanze, kann man das gut beobachten. Denn Polizei-Armeen haben auf einem Stadtteilfest nichts verloren – sie werden aber immer mehr für nötig gehalten. Überwachungskameras, wie sie auf dem Schulterblatt im vergangenen Sommer von der Polizei hinter privaten Wohnungsfenstern installiert wurden, sind Unrecht – Überwachung wird von der Öffentlichkeit aber zunehmend für nötig gehalten. Letztendlich liefern radikale Aktivisten und Chaoten die Gründe für immer mehr Staat, Freiheitseinschränkung und Überwachung.

Kurz: Die Minderheit, die einen an sich stabilen Staat angreift, schadet letztlich allen. Weil sie den Staat stärkt und die Freiheit schwächt.

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7 Antworten

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  1. themroc said, on 4. Dezember 2009 at 13:49

    Danke

  2. Yoda said, on 5. Dezember 2009 at 18:24

    Volle Unterstützung!
    Möge die Kraft mit Dir sein .

  3. Kay said, on 5. Dezember 2009 at 18:54

    Bin ganz Deiner Meinung. 🙂

  4. […] schanzenpolitik am 7. Dezember 2009 Nach dem Angriff auf die Lerchenwache am 4.12. habe ich die These aufgestellt, dass Angriffe wie dieser letztendlich nur zu noch mehr Einschränkungen der […]

    • Altoni said, on 12. August 2010 at 16:24

      Nach dem Angriff auf die Lerchenwache am 4.12. habe ich die These aufgestellt, dass Angriffe wie dieser letztendlich nur zu noch mehr Einschränkungen der Bürgerrechte und Freiheiten führen.“

      Haha, SO kann mans natürlich auch sehen.
      Aber Spass beiseite. Angriffe wie der auf die Lerchenwache dienen doch nur als Vorwand um Bürgerechte etc. weiter abzubauen. Man kann zu dem Angriff auf die Wache ja stehen wie man will, aber mich wundert es ehrlich gesagt, warum es erst 2009 einen Angriff gab. Seit bestehen der Wache gibt es immer wieder (schwere) Übergriffe seitens der Beamten dort

  5. Kupe said, on 28. Januar 2010 at 01:48

    Das was Du schreibst ist genauso kurzsichtig, weil Du den Staat so darstellst als würde er nur auf das Unrecht von einigen wenigen Chaoten, mit mehr Kontrolle und Überwachung reagieren.

    Das ist definitiver Blödsinn!

    Der Staat ist derjenige der, gesteuert von einigen Wenigen den Rahmen und damit den maximal möglichen Ereignishorizont jedes Einzelnen von uns, über vorwiegend statistische Methoden vorgibt.

    Nicht anderst als im Casino arbeitet man gezielt mit Wahrscheinlichkeiten, ohne sich auf das Einzelereignis zu fokusieren. Und genau wie im Casino auch kann man, mit wenigen einzelnen Würfen, auf einen kurzen Ereignishorizont betrachtet gewinnen. Aber je länger der Einzelne spielt, je öfter er/sie einsetzt umso gnadenloser schlägt das Gesetz der Wahrscheinlichkeit zu und ausnahmslos jeder verliert auf Dauer bei diesen so konstruierten Spielen!!!

    Das ist ein für mathematisch begabte Menschen unstrittiges Faktum.

    Der Staat in dem wir leben, hat seine Gesetze (Fallen – Eintrittswahrscheinlichkeiten) immer so aufgebaut, das die Mehrzahl von uns verlieren MÜSSEN und im Gegensatz zu einem Casino kann man sich durch die Lebensumstände nicht aussuchen ob man mitspielen will oder nicht!!!

    Ich und jeder von uns MUSS mitspielen, durch simple unstrittige Zwänge die uns als Menschen per Naturgesetz mitgegeben sind.

    Der Staat greift uns an. Jeden Tag, jeden Einzelnen von uns. Provoziert durch Gesetze das eintreten von vorhersehbaren Ereignissen, und sendet dann die darauf geschulte Exekutive (Richter, Cops, Nachrichtendienste) um auf diese Ereignisse als „objektive Instanz“ zu REAGIEREN und zu richten.

    Wenn es den Terrorismus nicht gebe, man würde in glatt erfinden. Den auch hier gilt das taktische Prinzip: „verdeckte Provokation um darauf rechtschaffend zu reagieren“
    (Konstruieren von Feindbildern!!!)

    Auf den Punkt gebracht steht der Staat (jede Form von entscheidungsbeeinflussende Institution) unter dem Generalverdacht, die Zustände von heute mit Vorsatz provoziert zu haben um eine Projektionsfläche für den öffentlichen Unmut zu stiften und zu gleich von sich (steuernde, kontrollierende Minderheit) abzulenken und damit unsanktioniert durch zu kommen.

    Der Staat sind nicht wir alle. Wir haben ein Recht auf Leben, weil wir in eine Nützlichkeit gedrängt werden. Wer es trotz dieses sozialen Drucks nicht schafft, ausreichende Nützlichkeit zu erzeugen, verliert das von vorne herein eingeschränkte Maß an Selbstbestimmung und provoziert durch die daraus mit relevanter Wahrscheinlichkeit entstehende Notsituation eine weitere Verkürzung von Selbstbestimmung bis hin zu völliger Unmacht.

    Das der Staat uns nicht direkt tötet wie das in einem totalitärem Regimee kurzerhand passieren kann, ist für uns ein relevanter Nachteil, weil es den instinktiven Wehrwillen jedes Einzelnen nachhaltig schwächt und ein ANGEMESSENES Verhalten auf Grund der entstehenden Verhaltens-Komplexität praktisch auszuschließen ist.

    Daher passiert, was die meisten von uns vorhersehbar tun. Passivität, als sicherste Variante „nichts falsches“ in dieser Komplexität zu tun.

    Und genau das haben die „machthabenden Minderheiten“ einmal mehr durchschaut und nutzen es rücksichtslos aus.

    Trotzdem hat der Rechts-Staat noch sehr lange funktioniert, weil der Schaffenswille von vielen Menschen eine natürliche Veranlagung ist, egal ob man in einer Demokratie lebt oder in einem KZ. (Wer das nicht glauben will kann sich gerne mal im KZ Mauthausen umsehen)

    Aber, wie bei einem Virus gehen die gestaltenden „Kräfte“ in diesem und anderen Staaten so drastisch vor, das sie sich in den Wirt erst einnisten, dann schwächen, dann lähmen und schließlich umbringen. Und in jeder Phase ist es für die Beobachter praktisch extrem schwer, angemessen zu reagieren.
    Diese Verschlagenheit, dieses verstohlene getue, diese vorsätzliche doofe Beliebigkeit mit der sich diese Herrschaften umgeben.

    Das ist ebenfalls ein Instinkt, der bei JEDEM Menschen da ist und die vermutliche Ursache ist die innere Vorstellung, das Abstrakte, das ihn dazu anstiftet. Den brauchen tun die meisten nicht wirklich, was sie auf diese Weise „erbeuten“!!!!

    Das wirklich drastische daran ist, um beim Vergleich mit Viren zu bleiben, das zB. Adolf Hitler sich wie ein Ebola-Virus verhalten hat und damit eine „schnelle Karantene“ bewirkt hat und entsprechend effektiv unschädlich gemacht werden konnte.

    Die heutigen Rechtsstaaten verhalten sich wie ein Aids-Virus. Lange Inkubationszeit,
    hoher Verbreitungsradius, langsame aber nachhaltige Schwächung bevor überhaupt irgendwie darauf reagiert werden kann.

    Der Schaden gegenüber einem Diktator ist in einem Rechtsstaat viel größer, weil es viel schwieriger ist, nützliches von schädlichem zu differenzieren. Und wenn es dann doch gelingt zu erkennen ist der Organismus im Staat meist bereits so stark geschwächt, das die Abwehr nicht mehr effektiv funktioniert.

    Praktisch gesprochen: „Was uns lähmt, sind die Gesetze die eigentlich zu unserem Schutz und wohlwollen ursprünglich geschaffen worden sind“

    Diese Lähmung zieht sich wie ein roter Faden durch alle Schichten und jeder sucht nach seinen Möglichkeiten, sein persönliches Heil durch Einflußnahme zu seinen/ihren Gunsten um das Unvermeidliche so lange wie möglich hinaus zu zögern und abzuwälzen.

    In so einer Situation sind die „Chaoten“ und als solche sehe ich auch die Terroristen im Sinne der Chaos-Theorie, wie Attraktoren, die die Machthaber im Staat zwingen aus der vorteilhaften, verdeckten Position heraus zu kriechen. Sie erzeugen Konvergenz!

    Das überwachen, Vorratsdatenhaltung, Anti-Terror Gesetze, hartes durchgreifen, Streichung von sozialen Buffern, der gläserne Bürger usw….

    Während der Staat vorgibt, uns alle ja nur vor den Bösen zu beschützen, wird die locker lässige unglaubliche Macht-Kontrollfülle für immer mehr von uns immer transparenter und zugleich die Isolation und Abhängigkeit der meisten von uns!

    Der Staat ist nicht unser Wächter über das Gute, das Redliche, das Rechtschaffende!

    Er ist der Wärter der sich äußerst raffinierter Selbst-Organisations-Mechanismen und Zwänge unseres Menschseins rein statistisch bedient.
    Zum Wohle und mit dem Informationsvorsprung von Wenigen auf Kosten von Vielen!

    Und die einzig wirksame Maßnahme die bisher gegen dieses Verhalten transparent geworden ist, ist das stiften von Chaos in jedweder Form.

    Wenn der Staat sich darauf mit mehr Überwachungskameras, Nacktscannern, Vorratsdatenhaltung, vorbeugende Haft, Entmündigung von Bürgern agiert, kann er nicht die lockere REAGIER-RICHTER-Haltung einnehmen sondern wird selbst zu einem möglichen Ziel!

    Je unerträglicher es der Staat für uns alle macht, umso mehr ist jeder von uns gezwungen mehr auf sich zu achten, sich selbst zu schützen und die Menschen und Werte die sein Leben ausmachen. Man vertraut nicht mehr irgendwelchen banalen Gesetzen, die offensichtlich eigennützig sind (zB horizontale Verlustausgleiche, Einkommensbesteuerung STATT ausschließlicher Vermögensbesteuerung, Vertragsrecht auf der Basis von Informationsvorsprüngen STATT win-win Prinzip usw.)

    Der Staat hat in den letzten Jahrzehnten eine unglaubliche Maschinerie an Kontrolle, mediale Beeinflussung und Überwachung aufgebaut, die ein systematischen gegensteuern des Einzelnen praktisch unwirksam (= extrem erfolgsunwahrscheinlich) macht.

    Jeder weiß das intuitiv und verhält sich entsprechend passiv.

    Ein invarsiver Staat (mit seiner Minderheit von Nutzniesern) der aus seiner derzeitigen, vorteilhaften Position gelockt werden kann, stärkt auf Dauer die Bürger, ZWINGT sie zu mehr und nachhaltigerem Wehrwillen, ihre Macht einzufordern und durchzusetzen.

    Entwürdigende, abwälzende, soziale Unerträglichkeiten für die MASSEN, das ist das wirksame Mittel um die Macht zu schwächen und die längst fällige Umverteilung in Schwung zu bringen.

    Rechtsstaat, Wahlen, Parteienfinanzierung, Vertragsrecht, Gesetze, Moral, Ethik hin oder her…
    Das ist nur einer von vielen äußeren Rahmen und darüber gibt es nichts mehr relevantes zu verhandeln!

    Offen ist nur die bedeutsame Frage nach dem WIE!

    Persönlich glaube ich an den guten Willen der Gründungsväter unser Rebubiken, das sie eine bessere Zukunft schaffen wollten, als die die sie selber in ihrer Tristheit vorgefunden haben.

    Aber was zählt ist das nachhaltige Ergebnis und nicht der Wunsch oder gute Wille!
    Das mußten auch schon die Marxisten einsehen!

    • schanzenpolitik said, on 30. Januar 2010 at 20:36

      @Kupe

      “Was uns lähmt, sind die Gesetze die eigentlich zu unserem Schutz und wohlwollen ursprünglich geschaffen worden sind”

      Genau. Und der Punkt in meinem Artikel ist: Wer diese Gesetze dann mit GEWALT bekämpft, sorgt letztlich nur dafür, dass mehr Gesetze zum Schutz gegen eben diese Gewalt entstehen.

      Im Gegensatz zu Gesellschaften in totalitären Systemen haben wir eine Reihe von Freiheiten, die es uns erlauben, den Staat in seine Grenzen zu weisen. Und ich bin froh, dass es viele Bürger gibt, die diese Freiheiten virtuos zu nutzen wissen – wie man etwa am wachsenden und zunehmend erfolgreichen Widerstand gegen einige Projekte schwarz-grüner Stadtpolitik sehen kann.


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